Ein gutes Team ist der Schlüssel zum Erfolg - Jonas Thiemann

Eine App gründen ohne ein Tekki zu sein? Das geht, es kommt nur auf das richtige Team an. Die jungen Geschäftsführer der App-Discovery-Plattform AppLike Jonas Thielmann und Carlo Szelinsky ergänzen sich als Gründer-Duo perfekt.


Jonas und Carlo kennen sich von einem Businessplan-Wettbewerb und haben auf ihrem Weg alle Loops der Achterbahnfahrt einer Gründung mitgenommen. In unserem Interview erzählt Jonas Thiemann, wie sie es zu ihrem erfolgreichen Start-Up AppLike geschafft haben.

60 Sekunden im Aufzug mit einem potenziellen Investor: Diese Challenge stellen sich regelmäßig unsere Top 5 Teams der Spielrunde beim Future Camp. Wie lautet euer Elevator Pitch?

AppLike ist ein App-Marketing-Startup aus Hamburg und wurde im Jahr 2015 von Carlo Szelinsky und mir mit dem Verlag Gruner + Jahr gegründet. Das Unternehmen bietet Lösungen im Bereich Mobile User Acquisition und Ad Monetization an. Im Jahr 2020 wurde AppLike in eine Holding umgewandelt, die insgesamt drei Unternehmen umfasst: Justdice betreibt App-Discovery-Apps, die NutzerInnen dabei helfen, neue Apps zu entdecken. Adjoe unterstützt dabei, App-Traffic zu monetarisieren und Sunday ist auf die Entwicklung und Vermarktung von Spiele-Apps spezialisiert. Die AppLike Group beschäftigt circa 100 MitarbeiterInnen, ist in 150 Ländern aktiv und erwirtschaftete im Jahr 2019 knapp 50 Millionen Euro Umsatz. Wir wollen mit unseren Technologien jeden Smartphone-Nutzer der Welt erreichen.

Back to the roots: Wie genau habt ihr euch kennengelernt und was ist euer Rezept für eine funktionierende Teamaufstellung eines Gründerteams?

Carlo und ich haben uns 2012 auf einem Gründerwettbewerb an der WHU kennengelernt. Wenig später gründeten wir gemeinsam die Gutscheinplattform coPAY, die ein Jahr nach dem Start aber wieder eingestellt werden musste. Im Jahr 2014 starteten wir schließlich mit AppLike. Uns verbindet seit unserem Kennenlernen vor acht Jahren mittlerweile eine sehr intensive Freundschaft. Als Co-Geschäftsführer arbeiten wir deshalb so gut zusammen, weil wir die gleichen Werte teilen, komplementäre Charaktere sind und Fähigkeiten besitzen, die gleichen Ziele haben und auch privat viel Zeit miteinander verbringen. Wir verreisen beispielsweise zwei Mal im Jahr, um in Ruhe unsere geschäftlichen Ziele und unsere persönliche Beziehung zu reflektieren.

AppLike wurde 2014 unter dem Dach von Gruner + Jahr gegründet. Wie seht ihr das Verhältnis von Intrapreneurship vs. Entrepreneurship?

Carlo und ich sehen uns nicht als Intrapreneure, sondern als Entrepreneure. Wir haben das Unternehmen aufgebaut und sind nach wie vor auch daran beteiligt. Grundsätzlich konnten beide Seiten, also sowohl Gruner + Jahr als auch AppLike, in den vergangenen Jahren sehr viel voneinander lernen. Während wir beispielsweise Unterstützung bei finanziellen Investitionen, Buchhaltung und Reportings bekommen haben, konnte der Verlag von uns lernen, wie man ein technisches Produkt skaliert oder wie man ein Internet-Geschäftsmodell in nur wenigen Monaten in zahlreichen Ländern ausrollt.

AppLike ist nicht euer erstes und auch nicht euer letztes Start-Up. Wie geht ihr mit den Themen Scheitern und Motivation um?

So gut wie jede/r UnternehmerIn macht Erfahrungen mit dem Scheitern. Das gehört dazu. Wichtig ist nur, dass das Scheitern keine Resignation, sondern Motivation hervorruft. Gute UnternehmerInnen lernen von jeder einzelnen Niederlage und versuchen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Carlo und ich sind beispielsweise mit unserem ersten Start-Up CoPAY gescheitert. Daraus haben wir gelernt und die richtigen Schlüsse gezogen. Meine Oma sagt immer: “Hinfallen ist total ok, Jonas. Du musst nur wieder aufstehen.” Recht hat sie!

2014 noch zu zweit – heute beschäftigt ihr mehr als 100 Mitarbeitende weltweit. Wie schafft ihr es, vor allem in der Coronakrise zusammenzuhalten?

Das gelingt uns trotz Coronakrise sehr gut. Seit August sind fast alle MitarbeiterInnen wieder im Büro, natürlich unter Einhaltung bestimmter Abstandsregeln. Wir haben bemerkt, dass die meisten gerne wieder ins Büro kommen und voller Energie sind, weil ihnen im Home Office schon manchmal die Decke auf den Kopf gefallen ist. Vor wenigen Tagen haben wir nun bei AppLike eine neue Remote-Work-Policy eingeführt, die allen MitarbeiterInnen ein festes Kontingent fürs Remote Work flexibel pro Jahr zur Verfügung stellt.

Welche eurer bisherigen Erfahrungen als Gründer möchtet ihr den Teilnehmenden beim Gründerpreis für Schülerinnen und Schüler mitgeben?

Ich würde ihnen empfehlen, so früh wie möglich bei einer in der Wachstumsphase befindlichen Firma anzuheuern, am besten während oder direkt nach dem Studium. Idealerweise auf einer Position, die so nah wie möglich am Gründerteam angesiedelt ist und die es erlaubt, den GründerInnen im beruflichen Alltag quasi über die Schulter zu schauen. Das ist die beste Schule. Man bekommt mit, wie Erfolge erkämpft und welche Fehler gemacht werden. Daraus kann man viel lernen und anschließend – wenn man den Drang verspürt – die Firma verlassen und sein eigenes Unternehmen gründen.