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Neues Schulfach „Selbstständigkeit“?

„Statt das Lernen zu lernen, sollten Kinder angeleitet werden, kritisch zu denken, Verantwortung zu übernehmen, kreativ zu sein und ihre Stärken zu entdecken.

Irene Kaiser - Lehrerin für Deutsch und Sozialwissenschaften an der Gesamtschule Waldbröl
Irene Kaiser - Lehrerin für Deutsch und Sozialwissenschaften an
der Gesamtschule Waldbröl
Foto: Klaus Knuffmann

Ein neues Schulfach, das ‚Selbstständigkeit‘ heißen könnte, wäre ein erster Schritt dazu“, schreibt Sophie Burfeind in ihrem Kommentar auf sueddeutsche.de. In dem Fach sollen Schüler mehr über den Gründergeist, über Wirtschaft erfahren, aber nicht losgelöst, sondern im Kontext von Politik und Gesellschaft. Brauchen wir ein neues Schulfach Selbstständigkeit?

Irene Kaiser
Lehrerin für Deutsch und Sozialwissenschaften an der Gesamtschule Waldbröl

„Selbstständigkeit sowie Kreativität und individualisiertes Lernen im Team zu fördern, ist ein fächerübergreifendes Lernziel. Aus diesem Grund glaube ich, dass Schulen in Deutschland bereits gut darauf vorbereiten. In den Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen behandeln wir im Fach Sozialwissenschaften in der Oberstufe verschiedene wirtschaftspolitische Themen - so wie die Autorin schreibt - im Kontext von Politik, Ökonomie und Soziologie. Den Wirtschaftsunterricht in der Sekundarstufe 1 halte ich dagegen noch nicht für ausgereift. Hier fehlen tatsächlich zum Teil lebenspraktische Aspekte – also zum Beispiel sollten Schüler mehr über das Thema Steuern erfahren. Wir brauchen kein eigenständiges Fach Selbstständigkeit. Der bisherige Wirtschaftsunterricht muss aufgewertet werden und mehr Priorität erhalten – und das gleichermaßen in allen Bundesländern. Hier könnten auch vermehrt Projekte wie der Deutsche Gründerpreis für Schüler integriert werden, um Existenzgründungen theoretisch und praktisch zu vermitteln.“

Tobias Raue
Lehrer für Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre an der Kaufmännischen Schule Rheine

Tobias Raue - Lehrer für Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre an der Kaufmännischen Schule Rheine
Tobias Raue - Lehrer für Betriebswirtschaftslehre und
Volkswirtschaftslehre an der Kaufmännischen Schule Rheine
Foto: privat
„Es geht ja vor allem darum, dass Schüler in dieser komplizierten Welt mal ein Risiko eingehen und ihre Kreativität nutzen, um in Felder vorzudringen, in denen man scheitern könnte. Meine Beobachtung ist auch, dass viele Jugendliche heute eher risikoscheu sind. Ich glaube allerdings nicht, dass dafür ein neues Schulfach notwendig ist, vielmehr geht es um eine Haltung, die fächerübergreifend ist. ‚Wir müssen vermitteln, dass man mit Ideen erfolgreich sein und sich damit in der heutigen Gesellschaft durchsetzen kann. Wünschen würde ich mir also, dass die charakterlichen Voraussetzungen, die Gründer mitbringen müssen, mehr gefördert werden. Das ist die große Stärke des Deutschen Gründerpreises für Schüler. Hier lernen Jugendliche, sich vor einem Publikum zu präsentieren, Kreativität zu entfalten, sich an Fristen zu halten und in eine Sache festzubeißen. Genau das führt zu einer Persönlichkeitsentwicklung der Schüler. Davon hängt es ab und nicht nur von den betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten. Aber es ist natürlich auch spannend, Inhalte, die man im Unterricht lernt, praktisch anzuwenden und selbst zu erfahren, wie es ist, ein Unternehmer zu sein. Denn dann kann ich Entscheidungen z. B. zur Preisgestaltung besser hinterfragen. Und wenn ich selbst einmal einen Businessplan erstellt habe, dann ist auch die Hemmschwelle, einen weiteren zu schreiben, nicht mehr so groß.“