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"Solche Türöffner müssen genutzt werden"

Die Unternehmerpaten gehören neben den Lehrenden und den Coaches zu den wichtigsten Unterstützern der Teams. Wie haben sie den DGPS erlebt und was war für sie die größte Herausforderung? Jörg Ernst, Executive Vice President bei der Siemens AG in Nürnberg, hat uns Antworten auf diese Fragen gegeben.

Jörg Ernst - 2017 Unternehmerpate von Kabibe
Jörg Ernst war in der Spielrunde 2017
Unternehmerpate für das Team Kabibe.

Foto: privat

Herr Ernst, Ihre Tochter war 2017 Mitglied des Siegerteams Kabibe. Sie waren dort Unternehmerpate. Wie kam es dazu?
Als das Team vor der Aufgabe stand, einen Unternehmerpaten zu finden, hatten sie sich zuvor viele Gedanken gemacht und kamen dann auf mich zu. Meine Antwort war: „Lasst uns gemeinsam an einen Tisch setzen und darüber diskutieren: Welche Themen habt ihr? Warum soll ich euer Pate werden? Und wie kann ich euch unterstützen?“ Erst als diese Fragen geklärt waren, habe ich zugestimmt, Unternehmerpate für dieses Projekt zu sein. Das Team hat mich überzeugt.

Und nachdem Sie zugestimmt haben, wie ging es dann weiter?
Los ging es mit der Entscheidung für eine Geschäftsidee. Wir haben bei uns zu Hause Spaghetti gekocht, erzählt, präsentiert, diskutiert und anschließend hat das Team entschieden, welches Thema es wirklich angehen möchte. Bei einem weiteren Treffen haben die Teammitglieder mit mir intensiv über den Businessplan gesprochen. Es ging darum, was sie für die Produktion benötigen oder wie das Marketing abläuft. Auch die Wahl des Teamsprechers fand bei uns zu Hause im Wohnzimmer statt.
Und schließlich hat das Team ihre Geschäftsidee vor einigen Führungskräften bei Siemens präsentiert. Das war ein einschneidendes Erlebnis – auch ein Auf und Ab der Gefühle. Aber das Feedback hat sie motiviert, noch besser zu werden. Ein Vorschlag war zum Beispiel, sich von der GmbH in eine AG umzuformieren.

Wie war es für Sie, Unternehmerpate zu sein?
Es war für mich eine positive Erfahrung, die jungen Menschen auf diesem Weg zu begleiten. Ich habe versucht, ihnen das nahezubringen, was in meiner Firma zum Tagesgeschäft gehört. Es war beeindruckend zu sehen, wie sich die Jugendlichen in ihre Rolle und in ihr Projekt gefunden haben. Aus einem anfänglich „wilden Einfall“ wurde in kurzer Zeit eine ausgereifte Geschäftsidee mit Businessplan – aus Schülern sind Unternehmer geworden. Und als das Team beim Finale in Hamburg präsentiert hat, war ich sehr stolz. Nicht nur, weil meine Tochter dabei war, sondern auch wegen der Entwicklung aller jungen Menschen im Team. Denn was mir auffiel: Der Anspruch der Teammitglieder an sich selbst und an einen Beruf war nun ein anderer. Die Schüler haben sich persönlich weiterentwickelt und herausgefunden, was ihnen beruflich wichtig ist.



Jörg Ernst und das Siegerteam in Hamburg
Jörg Ernst und das Siegerteam besuchen die „Elphi“ in Hamburg.
Mit dabei – natürlich der Siegerpokal.

Foto: privat

Welchen Herausforderungen mussten Sie sich persönlich stellen?
Für mich war es eine Herausforderung, die Zeit zu finden, das Projekt mit meinem täglichen Arbeitsleben zu koordinieren. Ich musste mir extra Freiräume für die Treffen schaffen. Und wenn ich international unterwegs war, kam mein Feedback per Mail. Insgesamt habe ich meine Zeit aber gerne investiert. Es war eine schöne Abwechslung zu meinem beruflichen Alltag und es hat mir Spaß gemacht, die jungen Menschen zu unterstützen.

Sind Sie dieses Jahr wieder beim DGPS dabei?
Mich haben viele Anfragen erreicht, aber ich setze dieses Mal bewusst aus. Wir haben gewonnen – prima – so sollte es sein und nun werde ich erst einmal pausieren und anderen die Möglichkeit geben. Mir ist das Projekt aber wichtig und deshalb habe ich es intern bei Siemens kommuniziert und einen Paten gefunden, der dieses Jahr ein Team unterstützt.

Welche Tipps haben Sie für die Unternehmerpaten der neuen Spielrunde?
Wichtig ist es, sich wirklich einzubringen und die Hilfestellungen und Unterstützung zu geben, die das Team braucht. Es lohnt sich, den Jugendlichen genau zuzuhören. Das sind ganz andere Ideen, ganz andere Themen als in unserem Tagesgeschäft. Die Schülerinnen und Schüler sollten mit auf den Weg bekommen, dass ein Unternehmensplanspiel eine Chance ist, sich mit dem eigenen Berufswunsch zu beschäftigen. Ich erlebe viele Jungs und Mädchen, die im stressigen Schulalltag wenig Zeit investieren, sich beruflich zu orientieren. Im Spiel können sie dagegen viele Bereiche wie Human Resources, Marketing oder Kommunikation kennenlernen und schauen, wo ihre Stärken liegen. Sie können im Vorfeld oder bei der Siegerehrung Kontakte zu Firmen knüpfen. Solche „Türöffner“ müssen in der heutigen Zeit genutzt werden.

Herr Ernst, wie gewinnt man den Deutschen Gründerpreis für Schüler?
Den Deutschen Gründerpreis für Schüler gewinnt man mit einer coolen Idee, mit einem Team, in das jeder verschiedene Fähigkeiten einbringt und natürlich mit Siegeswillen. Zudem sind engagierte Lehrer und Paten wichtig, die das Team dort anspornen, wo es notwendig ist. Das Allerwichtigste ist aber, Spaß zu haben.