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„Wir wollen Lehrern mehr Zeit für die wichtigen Dinge geben.“

Sein Ziel ist, die digitale Kommunikation an Schulen zu verbessern. Bereits als 19-Jähriger gründete Daniel Zacharias das Unternehmen Sdui. Im Interview spricht er über seine Geschäftsidee und seine Ziele.

Instatakeover der Teams
Mit 19 Jahren gründete Daniel Zacharias Sdui – eine Plattform für
die Kommunikation an Schulen.
Foto: privat

Herr Zacharias, Sdui ist eine Plattform für die Kommunikation an Schulen. Viele Lehrerinnen und Lehrer nutzen Messenger wie WhatsApp, um schnell und unkompliziert mit ihrer Klasse zu kommunizieren. Warum ist Sdui eine geeignete Alternative?
Daniel Zacharias: WhatsApp ist schon länger an Schulen verboten, aber das Bewusstsein dafür – so scheint es – kam erst mit der Einführung der Datenschutzgrundverordnung im Mai vergangenen Jahres. Die Schulen mussten reagieren und das war auch für uns der große Startschuss. Es braucht jetzt nicht nur Messenger, die sicher sind und auf deutschen Servern liegen, sondern allgemeine Datenschutzvorkehrungen an Schulen. Für die Nutzung von Sdui benötigen wir weder Handynummern noch E-Mails von unseren Nutzern. Die App funktioniert ganz ohne – und das ist ein wichtiger Punkt. Wenn Lehrer zum Beispiel mit Eltern kommunizieren wollen, dann müssen sie nicht ihre private Handynummer preisgeben.

Keine E-Mail-Adresse und keine Handynummer? Wie registriert man sich für die App?
Daniel Zacharias: Die Anmeldung erfolgt über einen Aktivierungsschlüssel, den die Nutzer von der Schule erhalten. Das heißt, wir schicken der Schule ein Paket mit ihren Registrierungsschlüsseln zu und die Schule entscheidet selbst, an welche Personen sie diese verteilt.

Sie haben die Idee für Sdui bereits in der Schulzeit entwickelt? Wie ist es dazu gekommen?
Daniel Zacharias: Als Schüler hat uns zum Beispiel genervt, dass wir extra zur Schule gefahren sind, um dann feststellen zu müssen, dass die ersten zwei Stunden ausfallen. Das war besonders ärgerlich, weil wir einen längeren Schulweg hatten. Wir haben uns gefragt, warum die Kommunikation an Schulen so langsam ist. Die Antwort des stellvertretenden Schulleiters auf unsere Nachfrage war, dass dies schwierig zu lösen sei, weil sich Lehrer zum Beispiel auf unterschiedlichen Wegen krankmelden. Er sagte: ‚Wenn ihr eine Lösung kennt, dann probiert‘s doch mal aus‘. Diese Herausforderung haben wir angenommen. Sechs Monate später gab es den ersten Prototypen, der noch nichts anderes konnte, als die Vertretungen von Stunden auf dem Handy anzuzeigen. Damit war Sdui geboren. Unsere Idee präsentierten wir beim Wettbewerb ‚Jugend forscht‘ und plötzlich hatten auch Lehrer aus anderen Schulen Interesse an unserer App. Da haben wir gemerkt, dass die Idee Potenzial hat. Heute beschäftigen wir uns neben der Anzeige von Stunden- und Vertretungsplänen oder der Kommunikation in Chats, auch mit der Übertragung von wichtigen Mitteilungen wie zum Beispiel Elternbriefen oder der Raumbuchung – also alles was an Schulen irgendwie kommuniziert werden muss.

Wie kommt Sdui bei den Schulen an?
Daniel Zacharias: Der erste Zugang war sehr positiv. Viele Schulen haben die Notwendigkeit einer einheitlichen Kommunikationsplattform gesehen. Bei der Umsetzung sind uns allerdings Herausforderungen in verschiedenster Form begegnet, wie zum Beispiel fehlende IT-Infrastruktur an Schulen oder keine Zeit oder Lust, sich mit der App auseinanderzusetzen. Wir haben daraufhin an einer Lösung gearbeitet, mit der Lehrer, Schüler und Eltern gut umgehen können und die keinen großen Aufwand verursacht. Heute benötigt eine Schule für die Einbindung von Sdui keine technische Infrastruktur außer einem Computer mit Internetanschluss. Um Sdui nutzen zu können, ist weder WLAN, noch ein Netzwerk notwendig. Es braucht auch keine Person, die das Ganze einpflegt. Das System pflegt sich automatisch. Heute sind wir mit bald 100.000 Nutzern die fünftgrößte Schul-App auf dem Markt.

Was bedeutet Digitalisierung für Schulen und wie müssen sie sich darauf einstellen?
Daniel Zacharias: Digitalisierung bedeutet nicht, den Computerraum mit neuen Computern zu füllen. Digitalisierung bedeutet auch nicht, noch einen Beamer oder noch eine interaktive Tafel mehr zu kaufen. Für mich beinhaltet Digitalisierung, die Kommunikationsprozesse mit Schülern digital abzubilden und dadurch effizienter zu machen. Zum Beispiel dann, wenn ich den Schülern nicht mehr hinterherlaufen muss, weil sie die Elternbriefe nicht abgegeben haben, sondern ich direkt mit Eltern oder Schülern Kontakt aufnehmen kann. Es muss einen Mehrwert haben, es darf nicht das Gleiche auf einem anderen Untergrund sein. Digitalisierung ist also dann sinnvoll, wenn sich Lehrer dadurch wieder mehr auf den Inhalt des Unterrichts konzentrieren können, wenn sie mehr Zeit für die wichtigen Dinge haben – und zwar Zeit für die Schüler.

Der DigitalPakt Schule wurde vorerst gestoppt. Wäre das eine Chance für Schulen gewesen?
Daniel Zacharias: Ich sehe den DigitalPakt als Chance für Schulen, weil einfach nicht viel Geld in Schulen verfügbar ist. Gleichzeitig sage ich aber auch, ja, Finanzierung ist ein wichtiger Faktor, aber bevor man über die Finanzierung nachdenkt, muss man an seiner inneren Haltung arbeiten. Wenn ich das nicht will, dann überzeugt mich auch Geld nicht plötzlich. Deswegen glaube ich, dass der DigitalPakt ein richtiger Schritt gewesen wäre, Möglichkeiten aufzuzeigen und Türen aufzumachen. Wichtig ist aber auch, wie viel Priorität ich dem Thema Digitalisierung einräume. Wir rechnen damit, dass der DigitalPakt auf jeden Fall durch kommt – auch wenn er sich aktuell verzögert. Und falls er tatsächlich platzt, sind wir dennoch zuversichtlich, denn Sdui ist ja auch ohne Digitalpakt bereits weit gekommen.

Sie selbst haben mit Sdui an einem Schülerwettbewerb teilgenommen. Warum sind diese Wettbewerbe sinnvoll?
Daniel Zacharias: Schülerwettbewerbe sind ein guter Kontrast zu dem oft eher theoretischen Unterricht. Sie geben Schülern die Möglichkeit, kreativ zu werden und sich zu entfalten. Mein Wunsch ist, dass diese Wettbewerbe nicht nur zusätzlich zum Unterricht angeboten, sondern immer stärker Teil des Unterrichts werden. Hätten wir den Gründerpreis für Schüler gekannt, dann hätten wir auf jeden Fall mitgemacht. Bei „Jugend forscht“ waren wir die einzigen, die eine Firma gründen wollten und haben damit nie so richtig reingepasst. Es wäre toll, wenn möglichst viele Teams des Gründerpreises ihre Idee auch nach dem Wettbewerb weiterverfolgen.

Und welche Tipps würden Sie diesen jungen Gründern mitgeben?
Daniel Zacharias: Wir haben gelernt, dass es wichtig ist, mutig zu sein und Wege zu gehen, die vorher vielleicht noch niemand gegangen ist – also einfach mal machen. Zudem sollte man auf jeden Fall mit ganz vielen Menschen über seine Idee sprechen, sich viele Meinungen einholen und fragen ‚Was denkt ihr denn so?‘ Mit jedem Gespräch wird man auch besser darin, seine Idee gut zu verkaufen. In der Schule war ich sehr schüchtern. Aber man lernt viel dazu, wenn man begeistert ist und an das glaubt, was man tut. Und was ich mindestens genauso wichtig finde ist, dran zu bleiben, auch wenn es mal Gegenwind gibt.