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"Es muss zeitig gesät werden"

Sie sorgt dafür, dass das Spiel reibungslos funktioniert. Das macht sie zu einer der wichtigsten Personen des Wettbewerbs. Christine Kadolli im Interview über die Entwicklung des Planspiels und das Gründungsklima in Deutschland.

Christine Kadolli - Spielleiterin des DGPS
Christine Kadolli - Spielleiterin des DGPS

Frau Kadolli, Sie sind die Spielleiterin des DGPS und von Anfang an dabei. Was war das schönste Erlebnis?
Nach so vielen Jahren ist das schwer zu sagen. Jede Spielrunde hat ihren Reiz – mit immer wieder ganz unterschiedlichen Teams und Unternehmensideen. Und es freut mich jedes Jahr aufs Neue, wenn sich die Schülerinnen und Schüler während der Spielzeit weiterentwickeln, kreativ sind und neben der Arbeit und der Anstrengung auch viel Spaß haben. Ich bin begeistert, wenn sie lernen, im Team zu arbeiten und viele neue Erfahrungen machen. Wenn wir das Feedback bekommen: "Der DGPS hat mich viel mutiger gemacht", "Ich konnte im Team mal richtig erfinderisch sein", "Durch den DGPS hab ich herausgefunden, was ich beruflich machen möchte", dann weiß ich – wir haben es richtig gemacht. Das beflügelt mich jedes Jahr!

Start-up-Kultur ist aktuell "in". Glauben Sie, junge Menschen haben es heute leichter, ihre Ideen in die Tat umzusetzen?
Einfach ist es natürlich nach wie vor nicht. Eine Unternehmensgründung ist eine Herausforderung, die aber gemeistert werden kann. Das zeigen auch unsere Beispiele in der "Wall of Fame" mit ehemaligen Teilnehmenden, die sich erfolgreich selbstständig gemacht haben. Jedenfalls gibt es heute viel mehr Unterstützungsmöglichkeiten als in vergangenen Jahren. Hier ist z. B. die Initiative "Unternehmergeist an Schulen" zu nennen, die das Gründungsfieber schon an die Schulen trägt und die wir mit dem DGPS unterstützen. Für "echte" Gründerinnen und Gründer gibt es eine Fülle an zentralen und regionalen Beratungsmöglichkeiten und digitalen Angeboten – wie die Gründerplattform vom BMWi und KfW, um nur ein Beispiel zu nennen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, wie würden Sie das Gründungsklima in Deutschland verbessern?

  1. Mehr Zeit an den Schulen, um Projekte wie den DGPS durchzuführen. So können sich Jugendliche mit der Thematik auseinandersetzen und testen, ob eine Unternehmensgründung etwas für sie wäre. Es muss zeitig gesät werden, damit die Saat aufgehen und später geerntet werden kann!
  2. Jugendliche bei der Persönlichkeitsentwicklung unterstützen, damit sie sich zu mutigen Menschen entwickeln können!
  3. Scheitern lernen und tolerieren! Aufstehen und weitermachen!
Was muss ein Team haben, um den Gründerpreis für Schüler zu gewinnen?
Es kommt nicht nur auf die Idee an, aber ohne gute Idee geht es natürlich nicht. Wenn das Team für sein Thema brennt, dann ist auch die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass dazu ein herausragendes Geschäftskonzept entsteht. Das Team muss an einem Strang ziehen, an sich glauben und auch Durststrecken überwinden, sich letztendlich auch mal zusammenraufen, um am Ende als Siegerteam hervorzugehen. Wir erleben immer wieder, dass Teams sich durchsetzen, die während der Spielzeit zu einem besonderen "Spirit" gefunden haben, die nicht nur die Aufgaben gut gemeistert, sondern darüber hinaus eigene Akzente gesetzt haben.

Wie entsteht das Ranking – wie finden Sie heraus, welche Teams ganz vorne liegen?
Die Teams, die nach der Abgabe aller Aufgaben die Mindestpunktzahl erreicht haben, werden von der Jury beurteilt, die sich aus Finanz- und Wirtschaftsexperten zusammensetzt. Jeder Juror beurteilt individuell die eingereichten Projekte. Im Mittelpunkt steht das Geschäftskonzept. Es umfasst alle zuvor erledigten Aufgaben, von der Idee, über die gewählte Unternehmensform, bis hin zum Produkt samt Marktanalyse, Finanzplan und Marketingstrategie. Um eine gerechte und unabhängige Bewertung sicherzustellen, haben wir eine Doppel-Jurierung. Der erste Juror bewertet die einzelnen Projekte und vergibt seine Punkte. Außerdem schreibt er jedem Team ein persönliches Feedback, das individuelle Stärken hervorhebt und auf Schwächen aufmerksam macht. Zeitgleich vergibt der zweite Juror ebenfalls seine Punkte. Außerdem überprüft er in der zweiten Juryphase das Feedback des Erstjurors und bearbeitet es bei Bedarf. Die Gesamtpunktzahl setzt sich dann aus dem Durchschnitt der beiden Bewertungen zusammen. So entsteht das endgültige Ranking. Dies passiert alles komplett online. Anfang Juni trifft sich dann für einen Tag die Fachjury bei Gruner + Jahr in Hamburg und wählt aus den besten 30 Teams die Top-10-Teams aus, die Ende Juni zur Siegerehrung in die Elbmetropole fahren dürfen. Ich bin jetzt schon gespannt, welche Teams ich dieses Jahr in Hamburg kennenlernen werde!

Frau Kadolli, wenn Sie die freie Wahl hätten, welches Unternehmen würden Sie gründen, welche Geschäftsidee spukt Ihnen – vielleicht immer schon – im Kopf herum?
Die "Heinzelmännchen AG", die einem alle lästigen Pflichten und Zeitfresser abnimmt ;-)