Interview mit Tom Levin

Vom Schüler zum Unternehmer – mit dem Gründerpreis

Vom Schüler zum Unternehmer – mit dem Gründerpreis

2016 erreichte Tom Levin Schwenzle gemeinsam mit seinem Team Shrave den zweiten Platz im Wettbewerb. Seit 2017 nimmt er regelmäßig am Future Camp teil – als Videoredakteur. Denn der 20-Jährige gründete bereits mit 16 Jahren seine eigene Produktionsfirma.

Tom, aus dir wurde noch während der Schulzeit ein Unternehmensgründer. Wie kam es dazu?
Ich habe früh bei professionellen Filmproduktionen mitgearbeitet – erst als Praktikant, dann immer häufiger als freier Mitarbeiter. Da ich damals erst 16 Jahre alt war, blieb mir rechtlich nur der Weg zu gründen, um auch selbstständig arbeiten und abrechnen zu können. Mit Einverständnis meiner Eltern ließ ich mir dafür durch ein Familiengericht die volle Geschäftsfähigkeit bescheinigen. Rückblickend bin ich froh, dass es so gekommen ist, denn nur so konnte TLS Film und Medienproduktion entstehen.

Wie hat dich der Wettbewerb darin bestärkt, selbst zu gründen?
Schon während der Spielphase war ich selbstständig tätig, kannte also den praktischen Part gut. Im Laufe der Spielrunde wurde mir aber bewusst, dass es einen Unterschied macht, ob man vorher einen Businessplan entwickelt oder einfach „drauflos“ gründet. Ein Konzept samt Finanzierungsplan und Marketingstrategien zu entwickeln, hat mein Verständnis von Unternehmertum total verändert. Im Planspiel habe ich viele Prozesse und Abläufe kennengelernt, die ich auch auf meine eigene Selbstständigkeit übertragen konnte.

Wie hat dein Umfeld auf deine frühe Selbstständigkeit reagiert?
Die Reaktionen waren ehrlich gesagt zwiegespalten. Von meinem engeren Freundeskreis und von meinen Teammitgliedern habe ich volle Unterstützung und Zuspruch erhalten und bekomme sie auch heute noch. Fremde, die wenig mit dem Bereich Medien zu tun haben, sind dagegen eher skeptisch. Manchmal muss ich erklären, dass ich auch noch andere Aktivitäten in meiner Freizeit verfolge. Ich bin eben nicht nur der „Kamera-Typ“.

Hast du manchmal das Gefühl, aufgrund deines Alters von Auftraggebern unterschätzt zu werden?
Dass ich unterschätzt werde, habe ich glücklicherweise bislang relativ selten wahrgenommen. Vielleicht liegt es daran, dass ich meine Kunden hauptsächlich über Mundpropaganda gewinne. Die wissen dann natürlich auch, was sie von mir erwarten können. Einzige Ausnahme: Auftragsproduktionen, bei denen ich als reiner Dienstleister dazu gebucht werde – da kann es schon einmal passieren, dass man nicht ganz ernst genommen wird.
Im persönlichen Gespräch mit den Kunden lassen sich solche Bedenken in der Regel ausräumen. Ich höre aber immer auf mein Gefühl. Wenn es große Bedenken gibt oder ich glaube, ein Projekt nicht zufriedenstellend realisieren zu können, nehme ich es nicht an. Mein Prinzip ist da: ganz oder gar nicht.

Du studierst nebenbei „Audiovisuelle Medien“. Wie meisterst du Studium und Selbstständigkeit?
Mein Studium an der Hochschule der Medien in Stuttgart war und ist mein Wunschstudium. Ich konzentriere mich mittlerweile hauptsächlich auf den Bereich Fernsehen und habe das große Glück, dass mein Studium perfekt zu meinem Arbeitsfeld passt. Ich lerne regelmäßig Neues, was ich im Anschluss in Projekten anwenden kann. Das Studium und die Selbstständigkeit unter einen Hut zu bringen, fällt mir relativ leicht. Ich habe mir klare Regeln gesetzt. In Prüfungszeiträumen nehme ich beispielsweise keine Aufträge an.
Die Zeit, die ich nicht mit Studium oder Arbeit verbringe, nutze ich für Familie und Freunde.
Man darf nicht vergessen: Diese Beziehungen sollte man nicht schleifen lassen. Es ist wichtig, eine Balance zwischen Job und Freizeit zu finden. Aufträge und Anfragen gibt es mittlerweile genug, sodass ich mir eher aussuchen kann, welche Projekte sich lohnen und wann ich meine Zeit lieber für andere Dinge nutzen möchte. Um Stress vorzubeugen, hilft eine gute Organisation und ein guter Ausgleich. Ich habe das Motorradfahren für mich entdeckt.

Was braucht es, um als junger Gründer erfolgreich zu sein? Hast du ein Erfolgsrezept?
Ich sehe mich eigentlich selbst nie als „erfolgreich“ an. Ich arbeite nur nicht in einem Angestelltenverhältnis. Selbstständig zu arbeiten, bedeutet für mich den Luxus, Spaß zu haben bei dem, was man tut, und damit noch etwas Geld zu verdienen. Wichtig sind meiner Meinung nach Selbstdisziplin, gute Organisation und Durchhaltevermögen. Man darf sich natürlich auch nicht zu schade sein, mal am Wochenende zu arbeiten. Selbstständigkeit stellt andere Ansprüche als ein 9-to-5-Job.

Du hast auch in diesem Jahr das Future Camp filmisch begleitet. Was ist für dich das Besondere an der Veranstaltung?
Das Future Camp ist ein super Event. Ich war das erste Mal 2016 bei dem viertägigen Persönlichkeits- und Managementtraining dabei, damals noch als Teilnehmer, weil mein Team und ich es unter die Top 5 im Wettbewerb schafften. Neben den Workshops erinnere ich mich gern an die tollen persönlichen Erfahrungen zurück, die prägend waren. Im Future Camp treffen viele verschiedene Persönlichkeiten aufeinander. Dabei entsteht eine besondere Gruppendynamik. Denn gemeinsam zu arbeiten und zu entwickeln ist besonders inspirierend. Ich habe zum Beispiel im Future Camp die Entscheidung für mein Studium getroffen. Es ist ein toller Ort, um neue Kontakte zu knüpfen und bestehende zu pflegen. Dafür gibt es übrigens auch den Alumni-Verein, wo sich ehemalige Teilnehmer vernetzen können.