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Finanzielle Bildung praxisnah: Tipps vom Lehrer des Jahres

Aus der Spielrunde 2019 ist er als "Lehrer des Jahres" hervorgegangen: Dr. Günther Pfeifer vom Johannes-Scharrer-Gymnasium in Nürnberg. Nicht ohne Grund, denn er ist nicht nur bei seinen Schülerinnen und Schülern beliebt, sondern setzt sich auch für ihre finanzielle und ökonomische Bildung ein. Wir haben Günther Pfeifer gefragt, was ihm dabei wichtig ist und wie er seine Schützlinge motiviert.

Finanzielle Bildung praxisnah: Tipps vom Lehrer des Jahres
Dr. Günther Pfeifer wurde 2019 für sein herausragendes
Engagement im Wettbewerb ausgezeichnet.
Foto: Klaus Knuffmann

Herr Pfeifer, 71 Prozent der Jugendlichen gaben an, dass sie in der Schule nicht viel bis gar nichts über Wirtschaft und Finanzen gelernt haben (Jugendstudie des Bankenverbands 2018). Warum ist aus Ihrer Sicht finanzielle Bildung für Schülerinnen und Schüler wichtig?

Günther Pfeifer: Eine wichtige Aufgabe von Schule ist es, die Schülerinnen und Schüler dahingehend auszubilden, dass sie sich in ihrem Alltag und auch späteren Leben zurechtfinden und erfolgreich sind. Und natürlich gehört hierzu auch das Treffen von sinnvollen finanziellen Entscheidungen - als Jugendlicher mag das noch keine große Rolle spielen, aber mit zunehmendem Alter wird es vermehrt wichtig, abzuwägen und zu beurteilen, sei es in der Rolle als Konsument, Sparer, Kreditnehmer oder als Bürger, der sich etwa seine eigene Meinung zur aktuellen Geldpolitik der EZB macht.

Wie motivieren Sie die Jugendlichen, sich für Wirtschafts- und Finanzfragen zu interessieren und sich im Unterricht damit zu befassen?

Günther Pfeifer: Im Idealfall packt man gleich am Stundenanfang die Schülerinnen und Schüler für das Thema. Ein gelungener Einstieg ist hierbei das A und O. Dies kann eine spannend erzählte Geschichte sein, die am besten die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen berührt oder auch ein Rätsel, mit dem man das Schüler-Ego herausfordert. Wenn die Schülerinnen und Schüler einmal für eine Fragestellung sensibilisiert sind, lasse ich sie gerne erst mal an der langen Leine und gebe ihnen bei ihren Überlegungen nur die "Leitplanken" vor. Auch wenn die Jugendlichen ihre Antworten möglichst eigenständig entwickeln sollen, steht man ihnen als Lehrer bei Bedarf mit seinem Wissen zur Verfügung und gibt Tipps und Anregungen. Und natürlich müssen am Ende der Unterrichtseinheit die Ergebnisse besprochen und bewertet werden.

Mit welchen Themen und welchen Methoden setzen sich Ihre Schülerinnen und Schüler dabei besonders gern auseinander?

Günther Pfeifer: Je mehr und direkter die Schülerinnen und Schüler vom Thema betroffen sind, desto mehr interessieren sie sich dafür. Das ist bei ihnen wohl genauso wie bei allen anderen auch. Themen, die sich um finanzielle Bildung drehen, sind demnach von Haus aus spannend. Denn Geld beschäftigt selbstverständlich auch Jugendliche, in der Regel ist auch für sie das Taschengeld zu knapp. Und macht Geld vielleicht auch nicht unbedingt glücklich, so bedeutet es doch für Jugendliche Eigenständigkeit und das Erfüllen von Konsumwünschen.

Was beobachten Sie, welche Kompetenzen Ihre Schützlinge beim Gründerpreis für Schüler erwerben?

Günther Pfeifer: Ich bin Fan vom Gründerpreis für Schüler - und das aus mehreren Gründen. Zum einen ermöglicht er jungen Menschen sehr realitätsnah den Weg in die Selbstständigkeit auszuprobieren und zu lernen, was es heißt ein Unternehmen zu gründen und zu führen. Dabei müssen nicht wenige Schülerinnen und Schüler ihr Bild vom Unternehmerdasein neu denken. Als Lehrer gefällt mir auch sehr gut, dass sich bei diesem Planspiel aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen alle Schülerinnen und Schüler mit ihren Stärken einbringen können. Der eine ist kreativ, die andere hat das große Ganze im Auge und der dritte ist ein Zahlenfuchs. Am Ende sind sie nur erfolgreich, wenn sie als Team funktionieren. Und dies ist eine immens wichtige Erfahrung. Teamfähigkeit ist mit Sicherheit die Sozialkompetenz, die sie später im Beruf oder auch im Studium unbedingt brauchen.

Wie integrieren Sie den DGPS in den Unterricht? Welche Rolle spielt der Lehrplan?

Günther Pfeifer: Ich habe das große Glück, an einem Gymnasium mit wirtschaftswissenschaftlichem Profil zu unterrichten. Im Rahmen von Profilstunden und Projektseminaren lässt sich bei uns das Planspiel in der 10. und 11. Jahrgangsstufe sehr einfach in den Unterricht einbinden. Zudem wird in Bayern für das wieder neu eingeführte neunjährige Gymnasium der Lehrplan geändert. Im Fach Wirtschaft und Recht werden im Zuge der Lehrplanreform vermehrt betriebswirtschaftliche Inhalte aufgenommen. Die Lehrplaninhalte der neunten Klasse kann ich dann zum Großteil im Rahmen des Planspiels DGPS behandeln. Da freue nicht nur ich mich, ich glaube auch für die Schülerinnen und Schüler ist es toll, wenn sie die Unterrichtsinhalte so praxis- und handlungsorientiert erfahren dürfen.

Sie scheinen vieles richtig gemacht zu haben. 2019 sind Sie zum Lehrer des Jahres gekürt worden. Welche Tipps haben Sie für Coaches, die zum ersten Mal am DGPS teilnehmen?

Günther Pfeifer: Das Wichtigste ist, dass die Schülerinnen und Schüler von ihrer Geschäftsidee überzeugt sind und dass sie sich mit ihrem Unternehmen identifizieren. Dann ist schon viel gewonnen. Als Coach sollte man natürlich auch mit Rat und Tat zur Seite stehen und die ein oder andere kritische Frage stellen, um möglichen Fehlentwicklungen gegenzusteuern. Wenn man dann noch einen Blick auf das Zeitmanagement hat - am Anfang geht es sehr entspannt los, gegen Ende ist dann deutlich mehr zu tun - sollte es schon funktionieren. Und falls nicht, auch nicht schlimm. Nicht jedes Start-up-Unternehmen wird ein Unicorn (=Start-up-Unternehmen mit einer Marktbewertung über 1 Mrd. US-Dollar). Hauptsache es hat Spaß gemacht und die Schülerinnen und Schüler haben etwas gelernt.